Probiotika

Probiotika wirken im Darm

Probiotika: gesunde Bakterien für den Darm

Nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sind Probiotika „lebende Mikroorganismen, die - in ausreichender Menge verabreicht - dem Wirtsorganismus einen gesundheitlichen Nutzen bringen“. Der Volksmund bezeichnet daneben auch alle Arzneizubereitungen, Lebens- und Nahrungsergänzungsmittel, die nicht-pathogene Bakterien oder Pilze enthalten, als Probiotika. Der Begriff an sich leitet sich aus dem Lateinischen her, „pro“ bedeutet „für“, und „bios“ ist das Leben. Probiotika sind im weitesten Sinne also mikroskopisch kleine Lebewesen, die im Verborgenen für das Leben arbeiten und der Gesunderhaltung des Körpers dienen.

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In diätetischen Nahrungsergänzungspräparaten, die die körpereigene Darmflora unterstützen sollen, werden vor allem Milchsäurebakterien als Probiotika eingesetzt. Die bekanntesten Vertreter dieser Bakteriengruppe sind die Laktobazillen und die Bifidobakterien, die beide auch als Probiotika Starterkulturen in Molkereiprodukten Verwendung finden. Ebenfalls im Nahrungsmittelbereich finden sich verschiedene Hefen und das „Joghurtbakterium“ Streptococcus thermophilus. Hefen sind einzellige Pilze, die der Mensch schon seit Jahrtausenden als wichtige Katalysatoren bei Gärungs- und Verdauungsprozessen nutzt. Etliche Saccharomyces-Arten finden sich fast genauso lange in medizinischen Präparaten, die als sogenannte Biotherapeutika früher sogar bei ernsteren Erkrankungen verordnet wurden. Gleiches gilt für diverse Enterokokken- und Kolibakterienstämme, die ebenfalls zu den Probiotika zählen. Letztere machten mit ihrem berühmtesten Vertreter – dem Escherichia coli Stamm Nissle 1917 – bereits Anfang des 20. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Behandlung von schweren Durchfallerkrankungen von sich reden.

Wie aber ist es möglich, dass Probiotika sich positiv auf die Gesundheit auswirken, wie es die WHO fordert? Das hängt in erster Linie damit zusammen, dass der Mensch ganz wesentlich auf die kleinen Helfer angewiesen ist, die nicht nur sein Verdauungssystem, sondern auch andere Oberflächen und Schleimhäute zum gegenseitigen Nutzen besiedeln. Allein das menschliche Darmlumen beherbergt rund 500 verschiedene Bakterienarten, darunter auch einige Probiotika, die mit ihrem Stoffwechsel spezifisch zur Funktionalität der menschlichen Verdauung und des Immunsystems beitragen. Und wie im äußeren Makrokosmos, in dem der Mensch am Ende der Nahrungskette die unterschiedlichsten Nährstoffe und Krankheitserreger verdauen und abwehren muss, beeinflussen sich auch die Bewohner des intestinalen Mikrokosmos gegenseitig. Probiotika können in diesem Zusammenhang dazu beitragen, dass die natürliche Darmflora gegenüber fremden Keimen im Vorteil bleibt.

Infolge von Krankheiten, Mangel- oder Fehlernährung kann das Gleichgewicht im bakteriellen Miteinander ins Ungleichgewicht geraten. Auch bestimmte Arzneimittel – zum Beispiel bakteriostatisch wirkende Antibiotika – können die produktive Symbiose im Darm lähmen. In diesen Fällen können Probiotika die nützlichen Darmbewohner in ihrer Funktion nicht nur unterstützen, sondern im Einzelfall sogar solange deren Platz einnehmen, bis der ursprüngliche Kolonisierungszustand wieder hergestellt ist und die „Ureinwohner“ wieder selbst in der Lage sind, ihren normalen Stoffwechsel in den Dienst der menschlichen Verdauung und Infektabwehr zu stellen.

Die Wissenschaft beschäftigt sich schon länger mit der potentiellen Wirkkraft der Probiotika und postuliert für probiotisch wirksame Therapeutika, Nahrungsergänzungs- und Lebensmittel mehrere Wirkmechanismen. Aktuelle Ergebnisse, die sich auf moderne Untersuchungsmethoden stützen, legen dabei die Vermutung nahe, dass Probiotika die Darmflora auf verschiedenen Wegen unterstützen. Zum einen hat sich gezeigt, dass Milchsäurebakterien und andere Nützlinge die intestinale Gemeinschaft allein aufgrund ihrer Anwesenheit im Gleichgewicht halten können. Probiotika erreichen den Darmtrakt lebend und sind dort sofort in der Lage, die Lücken auszufüllen, die absterbende Vormieter hinterlassen. Dadurch halten sie eventuell nachdrängende Pathogene in Schach, die sich andernfalls ungehemmt im Verdauungstrakt breit machen. Zum Zweiten präsentieren Probiotika dem menschlichen Immunsystem eine Fülle neuer, ungefährlicher Angriffspunkte, sodass sich die Infektabwehr weiter entwickelt und fortan auch größeren Herausforderungen besser gewachsen ist. Und schließlich geht die Forschung davon aus, dass Probiotika sich auch direkt mit potentiell schädlichen Stoffwechselprodukten und Nahrungsstoffen auseinandersetzen und diese mithilfe ihres eigenen Enzymrepertoires unschädlich machen.

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