Probiotischer Joghurt

Probiotischer Joghurt

Probiotischer Joghurt selber machen

Der Begriff „Probiotischer Joghurt“ bezeichnet ein Milchprodukt, dessen Fermentation überwiegend auf die Milchsäuregärung probiotischer Bakterienstämme zurück zu führen ist. Probiotische Joghurts können zwar zusätzlich eine „echte“ Joghurtkultur enthalten, die traditionell aus der Kombination Streptococcus thermophilus/Lactobacilllus delbrückii ssp. bulgaricus besteht, im Grundsatz ist die Säuerung solcher Produkte aber auf die Stoffwechselleistung anerkannter, probiotisch wirksamer Bakterienarten zurückzuführen.

Dass gesäuerte Milchprodukte und probiotische Joghurts der Gesundheit dienlich sein können, ist der Menschheit schon seit Jahrtausenden bekannt. Bereits lange vor Christi Geburt haben laktoseintolerante Bevölkerungsgruppen gelernt, sich die Milch ihrer Nutztiere mithilfe von Milchsäurebakterien verfügbar zu machen. Aber auch Volksstämme, die frische Milch ungestraft zu sich nehmen konnten, wussten die Vorzüge saurer Milchprodukte zu schätzen. Vermutlich kannten entsprechend schon die alten Ägypter probiotische Joghurts. Dem Stammvater Abraham, der laut biblischen Berichten immerhin 175 Jahre alt wurde, wird sogar nachgesagt, dass er sein hohes Alter auf den regelmäßigen Genuss fermentierter Milchspeisen zurück führte. Sehr viel später postulierten namhafte Wissenschaftler eine pharmazeutisch-medizinische Wirkung für die als nützlich erkannten Sauermilchzubereitungen. Der erste moderne Joghurt, den der Spanier Issac Carasso Anfang des 20. Jahrhunderts auf den Markt brachte, seinen Weg zum Verbraucher entsprechend über die Apotheke.

Im Rahmen moderner wissenschaftlicher Untersuchungen ließen sich einige der gesundheitsdienlichen Effekte, die probiotische Joghurts auszeichnen, teilweise bestätigen. Im Tiermodell konnten verschiedene Forschungsgruppen zum Beispiel zeigen, dass probiotische Starterkulturen, wie sie auch ein probiotischer Joghurt enthält, das Immunsystem tatsächlich stimulieren können, wenn sie den Darm erreichen. Die beobachteten immunmodulatorischen Effekte äußerten sich dabei unter anderem in der erhöhten Produktion spezifischer Antikörper, wodurch die Versuchstiere den Angriff von Viren, Toxinen und bakteriellen Krankheitserregern besser überstanden.

Allerdings ist die Wirksamkeit von Mikroorganismen, die dem Verdauungssystem über probiotische Joghurts zugeführt werden, beim Menschen nach wie vor mehr als umstritten. Das hängt vor allem damit zusammen, dass ein probiotischer Joghurt bei der oralen Aufnahme unweigerlich den Verdauungssäften des oberen Intestinaltrakts ausgesetzt wird, wo ein Großteil der enthaltenen Mikroorganismen bereits abgebaut wird. Der Säuregehalt des Magens und die Salze und Enzyme im oberen Dünndarm verhindern in der Regel, dass ein probiotischer Joghurt die unteren Darmabschnitte im Originalzustand erreicht. Und die Zahl der überlebenden Individuen ist infolgedessen so gering, dass eine Kolonisierung nicht glücken kann. Die bereits ansässige Darmflora verhindert, dass einzelne probiotische Kulturen sich festsetzen können. Im Zweifelsfall werden die Nährstoffe und Keime, die sich als „probiotischer Joghurt“ auf den Weg gemacht haben und den Dickdarm erreichen, unverdaut wieder ausgeschieden. Als wirkungsvoller haben sich indessen sogenannte Probiotika Kapseln erwiesen können, welche durch eine Mikroverkapslung die Magenpassage unbeschadet überstehen können und so eine Kolonisierung im Darm in ausreichender Anzahl erzielen können.