Qualitätsanforderungen an Probiotika

Seit probiotische Bakterienkulturen vor allem im Lebensmittelbereich eine Rennaissance erfahren, widmen sich etliche Hersteller und Produzenten der Neuentwicklung von Nahrungs- und Nahrungsergänzungsmitteln, die lebende Mikroorganismen enthalten. Unter dem Stichwort „Functional Food“ kommen ständig neue Präparate auf den Markt. Diese halten hinsichtlich ihrer Wirksamkeit jedoch nicht immer, was publikumswirksame Werbeslogans versprechen. Damit ein Probiotikum dem Menschen tatsächlich nützt, muss es bestimmten Qualitätsanforderungen genügen, die in erster Linie über die Vorgaben der WHO und der FAO zu definieren sind. Beide Organisationen haben 2001 festgelegt, dass Probiotika lebende Mikroorganismen sind, die eine gesundheitsförderliche Wirkung auf den Wirtsorganismus haben, wenn sie in ausreichender Menge verabreicht werden.

Kritisch ist dabei zunächst die Anzahl der eingesetzten Bakterien, die in Abhängigkeit von der täglichen Verzehrmenge den menschlichen Darm lebend erreichen sollen, um die geforderte Wirksamkeit zu erzielen. Empirische Untersuchungen haben gezeigt, dass dazu mindestens 108 Keime pro Tag aufgenommen werden müssen. Für die meisten der handelsüblichen Präparate liegt die Dosis bei 108 bis 1010 Keimen. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang das Haltbarkeitsdatum. Denn wenn das Nährsubstrat im Produkt verbraucht ist – das sind in einem Milchprodukt zum Beispiel der Milchzucker und die Milchproteine -, verringert sich die Zahl der aktiven Probiotika rapide.

Damit ein probiotisch aktiver Bakterienstamm den Darm überhaupt erreicht, muss er zunächst den Verdauungssäften im Magen und im oberen Dünndarm wiederstehen. Die Magen-Darm-Passage des Menschen zeichnet sich zum Schutz vor unerwünschten Eindringlingen unter anderem dadurch aus, dass sie sämtliche Nährstoffe, die dem Organismus oral zugeführt werden, zunächst in ein Säurebad taucht. Der pH-Wert im Magen liegt nüchtern zwischen 1 und 1,5, der Salzsäuregehalt, der dafür verantwortlich ist, knackt in der Regel selbst stabile Bakterienhüllen. Im Dünndarm kommen dann Gallensalze und Enzyme dazu, die lebenden Eindringlingen das Leben schwer machen. Hier kann die Darreichungsform für die Wirksamkeit eines Probiotikums eine entscheidende Rolle spielen. Etliche Hersteller schützen ihre probiotischen Kulturen zum Beispiel durch säureresistente Kapselhüllen, was den Durchtrittserfolg durch den oberen Intestinaltrakt deutlich erhöht. Hochdosierte Produkte erhöhen die Überlebenschance einzelner Bakterienkolonien ebenfalls.

Ein weiteres Qualitätskriterium für sinnvoll einzusetzende Probiotika sind schließlich die Bakterienstämme selbst, die in dem jeweiligen Produkt Verwendung finden. Etliche Arten werden derzeit intensiv untersucht oder haben bereits in der Vergangenheit ihre Wirksamkeit empirisch bewiesen. Der Verbraucher fährt entsprechend mit den probiotischen Stammkulturen und Präparaten am besten, für die ein positiver Effekt bereits ausreichend gezeigt wurde.